Stellungnahme zur Sanierung des Ernst-Freyer-Bads

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hertwig,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Dr. Mösel,
sehr geehrter Herr Kiefer,
werte Anwesende,

die Fraktion der Freien Wähler Neckarsulm befürwortet ausdrücklich die notwendige Sanierung des Ernst-Freyer-Bads. Insbesondere unterstützen wir die vorgesehenen Maßnahmen zum Hochwasserschutz der technischen Anlagen durch deren Aufständerung sowie die geplante Auskleidung der Becken mit Folie.

Kritisch betrachten wir jedoch die von der Verwaltung vorgeschlagene sogenannte „Attraktivierung“ der Anlage. Aus unserer Sicht ist diese weder erforderlich noch wirtschaftlich sinnvoll. Das Ernst-Freyer-Bad erfreut sich bereits heute großer Beliebtheit und wird von den Bürgerinnen und Bürgern intensiv genutzt. Zusätzliche, kostenintensive Umbaumaßnahmen erscheinen vor diesem Hintergrund – insbesondere in Zeiten angespannter kommunaler Haushalte – nicht gerechtfertigt.

Kritik an der geplanten Attraktivierung

Die Verwaltung schlägt vor,

  • das bestehende Schwimmerbecken durch eine nahezu durchgehende Trennwand zu teilen,
  • den abgetrennten Bereich durch Anhebung des Beckenbodens in ein Nichtschwimmer- beziehungsweise Mehrgenerationenbecken mit einer Wassertiefe von 1,05 m bis 1,35 m umzuwandeln,
  • zusätzliche Massagedüsen in die Trennwand sowie einen Bodensprudler zu integrieren.

Diese Planung lehnen wir aus folgenden Gründen ab:

1. Einschränkung des Schwimmbetriebs

Der verbleibende Schwimmerbereich wird deutlich verkleinert. Gleichzeitig müssten sich Schwimmer und Springer denselben Bereich teilen. Beide Nutzungen können aus Sicherheitsgründen nicht parallel stattfinden.

Die Begründung für die Erhöhung des Bodenniveau sowie den Einbau der Trennmauer ist die ungenutzte Wasserfläche in der Mitte des Beckens. Das ist aus unserer Sicht aber nur eine Momentaufnahme. Viele Freizeitschwimmer absolvieren mehrere Bahnen, pausieren anschließend kurz am Beckenrand und setzen dann ihren Schwimmbetrieb fort. Daraus kann nicht abgeleitet werden, dass die vorhandene Wasserfläche dauerhaft entbehrlich wäre. Daher stellt sich uns die Frage: „Auf welcher Grundlage wurde der Bedarf für das Mehrgenerationenbecken festgestellt? Wurden hierzu Besucherbefragungen, Nutzungsanalysen oder andere belastbare Untersuchungen durchgeführt?“

2. Sicherheitsbedenken

Auch unter Sicherheitsaspekten sehen wir die Planung kritisch. Derzeit ist es für die Badeaufsicht erforderlich, das gesamte Becken regelmäßig zu überwachen und zu umlaufen, um jederzeit freie Sicht auf alle Bereiche zu gewährleisten.Durch den Einbau einer Trennwand besteht die Gefahr, dass insbesondere die Sicht auf die Sprunggrube eingeschränkt wird. Sollte die Aufsicht überwiegend von der Schwimmmeisterkabine aus erfolgen, könnten relevante Bereiche des Beckens nicht mehr uneingeschränkt eingesehen werden.

Hinzu kommt, dass der geplante Bodensprudler während des Betriebs die Sicht auf den Beckenboden erheblich beeinträchtigen kann. Dies erschwert die Aufsicht zusätzlich und ist aus sicherheitsrelevanter Sicht kritisch zu bewerten.

3. Fehlender Bedarf

Bereits heute verfügt das Ernst-Freyer-Bad über:

• ein Kleinkindbecken,
• ein Nichtschwimmerbecken,
• ein Schwimmerbecken.

Damit werden sämtliche Nutzergruppen bereits angemessen berücksichtigt.

4. Unverhältnismäßige Kosten

Die geplanten Attraktivierung durch Anhebung des Beckenbodens und dem Einbau einer Trennwand, werden Zusatzkosten verursacht, ohne dass daraus ein entsprechender Nutzen für die breite Bevölkerung erkennbar wäre.

Vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage der öffentlichen Haushalte halten wir diese Investition für nicht vertretbar.

Vorschläge und unterstützte Maßnahmen

Verlagerung der Rutsche

Den Vorschlag der Verwaltung, die bestehende Rutsche aus dem Nichtschwimmerbecken in ein separates Ausrutschbecken zu verlegen, unterstützen wir ausdrücklich!

Dadurch wird das Nichtschwimmerbecken entlastet, die Sicherheit erhöht und die Nutzbarkeit für alle Badegäste verbessert.

Installation von Wasserattraktionen

Die für die Trennwand vorgesehenen Wasserfontänen sollten stattdessen nach dem Rückbau der Rutsche auf der Ostseite des bestehenden Nichtschwimmerbeckens installiert werden, idealerweise sogar in doppelter Ausführung. Auch der Einbau der Massagedüsen wäre hier denkbar.

Auf diese Weise könnte innerhalb des heutigen Nichtschwimmerbeckens ein attraktiver Mehrgenerationenbereich geschaffen werden, ohne in die vorhandene Schwimmfläche des Schwimmerbeckens einzugreifen.

Komforteinstieg

Den geplanten Komforteinstieg begrüßen wir ausdrücklich. Er verbessert die Barrierefreiheit und erhöht den Nutzungskomfort insbesondere für ältere Menschen sowie für Badegäste mit körperlichen Einschränkungen.

Fazit

Die Freien Wähler Neckarsulm stehen uneingeschränkt hinter der Sanierung des Ernst-Freyer-Bads.

Die geplante Teilung und Umgestaltung des Schwimmerbeckens lehnen wir jedoch ab. Aus unserer Sicht führt sie zu funktionalen und sicherheitsrelevanten Nachteilen, deckt keinen zusätzlichen Bedarf und verursacht vermeidbare Mehrkosten von rund 30.000 Euro.

Unser Ziel ist ein modernes, funktionales und wirtschaftlich betriebenes Freibad, das den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger gerecht wird. Dazu gehören insbesondere ausreichend große und uneingeschränkt nutzbare Schwimmflächen für alle Generationen.

Für die Fraktion der Freien Wähler Neckarsulm

Heiko Schulz

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